Lindos Teil II.

Insel Rhodos - Lindos

Tempel der Athena Lindia auf der Akropolis von Lindos

Flagge Griechenland



Überblick

Insel Rhodos - Lindos

Johanniterkastell



Hier inmitten des kleinen Ortes Lindos befindet sich der Akropolishügel mit den Ruinen der gleichnamigen antiken Stadt. Der Ort Lindos wurde um das 11. Jahrhundert v. Chr. von den Dorern an der Ostküste der Insel Rhodos gegründet. Aufgrund von Funden auf der Akropolis gilt es heute als wahrscheinlich, dass bereits in mykenischer Zeit Griechen bei Lindos siedelten, und sogar die Anwesenheit von Minoern wird nicht ausgeschlossen. Von den Dorern wurden später auch die Städte Ialysos und Kamiros (Kameiros) gegründet. In Lindos befanden sich seinerzeit bedeutende Tempel, die den Ort über seine Grenzen hinaus in der antiken Welt bekannt machten.

Geschichte

Homer - griech. Dichter

Museo Pio-Clementin - Foto: Wikipedia (gemeinfrei)


Lindos ist die bedeutendste archäologische Stätte auf Rhodos. Über dem kleinen Ort thront ein Felsen, der von einer Akropolis gekrönt wird. Die menschliche Präsenz ist hier seit der Jungsteinzeit (Neolithikum - 5500 bis 2200 v. Chr.) bezeugt. Während des 1. Jahrtausends v. Chr. war Lindos einer der drei Stadtstaaten von Rhodos, zusammen mit Ialysos und Kamiros, die nach dem griechischen Dichter Homer (lebte etwa um 850 v. Chr.) am Trojanischen Krieg teilnahmen. Die alte Siedlung von Lindos, auch heute noch wie das moderne Dorf am gleichen Ort zu finden, besaß vier natürliche Häfen.


Kleobulos Antaios - Metron Ariston

Skulptur des Kleobulos, Tyrann von Lindos und einer der sieben Weisen der Antike


Diese Entwicklung stammt aus der geometrischen Zeit (etwa zwischen 1100 - 800 v. Chr.), aber die Blütezeit von Lindos war in der archaischen Zeit (750 - 550 v. Chr.). In dieser Epoche wurde die Stadt eine maritime Macht und entwickelte bedeutende Handelsbeziehungen. Auch war Lindos ein Pionier in der Gründung von Kolonien: Gela in Sizilien im Jahre 688 v. Chr. (zusammen mit Kretern), Phaselis (siehe Foto im Leuchtkasten) und Soloi in Kleinasien (Asia minor - heute Küste der Westtürkei). Eine führende Figur im 6. Jahrhundert v. Chr. war der Tyrann Kleoboulos, einer der sieben Weisen der Antike. Kleobulos von Lindos, war im 6. Jahrhundert v. Chr. der Tyrann von Lindos, er galt anders als spätere Tyrannen nicht als Gewaltherrscher, sondern wurde noch von späteren Generationen positiv gesehen.



Rhodos Lindos Acropolis R02

Ruinen der St. Johannes Kirche auf der Akropolis von Lindos - eingebunden über Wikimedia Commons


Insel Rhodos - Lindos

Ruinen des Tetrastoon - Foto: Wikipedia - Autor: Bernard Gagnon - Lizenz: s.u.


Damals wurde der archaische Tempel der Athene gebaut, der weit und breit berühmt war. Im Jahre 408/407 v. Chr. war Lindos an der Gründung der neuen Stadt Rhodos an der Nordspitze der Insel beteiligt. Das berühmte Heiligtum der Athena Lindia blieb in hellenistischer Zeit ein Kultort, der unter den großen pan-rhodischen Heiligtümern an erster Stelle stand. Am Fuße des Westhangs der Akropolis wurde ein Theater entdeckt, das bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. datiert wird und ein rechteckiges Gebäude (Tetrastoon) aus der hellenistischen Periode, das mit religiösen Ritualen zu Ehren des Dionysos Smintheus in Verbindung gebracht wird.


Inschriften von Lindos

Insel Rhodos - Lindos

Felseinschnitt auf der nordöstlichen Seite der Akropolis - hier soll es sich um eine Kultgrotte handeln


Ein weiteres Heiligtum, in dem das opfern von Ochsen und auch andere Riten stattfanden, wie die ungefähr vierzig Inschriften bezeugten, die in die Postamente von Säulen, Marmorbköcken und ähnlichem eingeschnitten waren, die man auf der Akropolis von Lindos entdeckte, befand sich unterhalb der Akropolis auf der Seeseite. Zwei bedeutende Grabdenkmäler stammen noch aus der hellenistischen Epoche: das sogenannte "Grabmal des Kleoboulos" und das "Archokrateion". Es gibt kaum Reste aus der frühen christlichen Zeit, einzig die spärlichen Ruinen der Kirche bei Vigli stammen aus dem 5. - 6. Jahrhundert. In die Zeit vom 6. bis 10. Jahrhundert n. Chr. fielen die Überfälle aus dem arabischen Raum, die zum verlassen der Siedlung von Lindos führten.



Inscribed artifact near exedra of Pamphilidas on acropolis of Lindos

Pedestal mit Inschrift - gefunden in der Nähe der Exedra von Pamphilidas auf der Akropolis von Lindos - eingebunden über Wikimedia Commons


Ludwig Roß in Lindos

Insel Rhodos - Lindos

Tempel der Athena Lindia auf der Akropolis von Lindos


Der deutsche Archäologe Ludwig Roß (1806 - 1859) war hier in Lindos im Jahr 1840 vor Ort:

„(...) kaum hatten wir einen ersten flüchtigen Gang durch die Trümmer der Fränkischen und Türkischen Gebäude auf der Burg gemacht, als wir schon soviel halbverschüttete Inschriften bemerkten, daß eiligst in das Dorf hinunter gesandt werden mußte, um Hacke, Spaten, Kehrbesen, Wasser und Schwamm heraufzuholen. Mit diesen Werkzeugen machten wir uns denn an die Arbeit, die halbversunkenen Marmorblöcke auszugraben, umzuwälzen, zu reinigen, wobei Hussein Agà und Papa Georg mit der größten Anstrengung wetteiferten, und womit wir diesen Nachmittag und den folgenden Vormittag vollauf zu tun hatten: Während mein Architekt die Reste zweier Dorischer Tempel ausmaß und zeichnete, der Athene Lindia und des Zeus Polieus, von denen als den Hauptgottheiten der Burg die nachstehenden Inschriften vielfacher Zeugniß geben (...).“ [

Insel Rhodos - Lindos

Stoa auf der Akropolis von Lindos


Die Bewohner von Lindos siedelten nun auf dem Gelände des Kastro. Zeugen der Kontinuität des Lebens in Lindos aus der byzantinischen Zeit sind die kleinen Kirchen aus dem 11. bis zum 13. Jahrhundert. Während dieser Zeit wuchs die neue Siedlung in der Umgebung der Kirche der Jungfrau Maria wie zuvor am Fuße der Akropolis. Es begann die sogenannte Hospitaliter Zeit, da der Johanniterorden 1309 das von Byzanz nur schlecht verteidigte Rhodos eroberte. Über 200 Jahre herrschten die Johanniter über die Insel. Rhodos wurde stark befestigt und ein mächtiger Großmeisterpalast entstand in der Stadt an der Nordspitze der Insel.




Insel Rhodos - Lindos

Byzantinische Kirche und spätere Burgkapelle der Johanniter auf der Akropolis von Lindos


Auch hier in Lindos haben die Johanniter ihre Spuren hinterlassen. Sie errichteten eine Festung auf dem Burgberg von Lindos, die heute noch besteht. In den darauffolgenden Jahrhunderten der osmanischen Herrschaft (ab 1522) wurden viele Männer aus Lindos Seeleute und einige von ihnen sogar Schiffsführer, was einen gewissen Reichtum für Lindos bedeutete, den man heute noch an den sogenannten "Kapitänshäusern" (griech.: Kapetaneika) erkennen kann und was durch einige Residenzen der aufstrebenden Bourgeoisie belegt wird.


Lindos heute (Lindos Teil I.)

Insel Rhodos - Lindos

Brunnen am Ortseingang aus der osmanischen Epoche


Was bei einem Rundgang durch den kleinen Ort Lindos sofort ins Auge fällt, sind die vielen alten Häuser mit jeweils individuellen Portalen. Es handelt sich hier um die sogenannten Kapitänshäuser, deren Erbauer dieses Patent innehatten, aber auch Seefahrer und Händler, die ihr hierdurch erworbenes Vermögen in ihr Heimatdorf Lindos in die Errichtung ebensolcher Häuser investierten. Die Portale der Häuser sind sehr schön verziert....

Weitere Informationen zur Ortschaft Lindos Teil I. auf der griechischen Insel Rhodos finden Sie hier....!


Paulus-Bucht in Lindos

Insel Rhodos - Lindos

Paulusbucht


Die Insel Rhodos, und hier im Besonderen der Ort Lindos, steht in Beziehung mit einer Erwähnung in in der Apostelgeschichte im Neuen Testament. Hier in der kleinen Bucht von Lindos soll der Apostel Paulus auf seiner 3. Missionsreise (51 - 53 n. Chr.?) angelegt haben. Eine kleine Kapelle in der Bucht - die seinen Namen trägt - erinnert heute an dieses denkwürdige Ereignis....

Weitere Informationen zur 3. Missionsreise des Apostel Paulus, die ihn durch Kleinasien und bis nach Griechenland führte, finden Sie hier....!


Quellenangabe:


1.: Die Informationen zum Ort Lindos auf der Insel Rhodos basieren auf dem Artikel Lindos (Stand vom 03.06.2010) und stammen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. Das Foto "Ruinen des Tetrastoon - Autor: Bernard Gagnon" ist lizenziert unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported".

2.: Die Informationen zu den Inschriften aus Lindos stammen aus "Inschriften von Lindos auf Rhodos" von Ludwig Roß, mit einem Nachwort von Ernst Curtius, Athen, 3. November 1844, Google Books, Seite 163.


Fotos aus Lindos






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