Ialysos
Überblick
Der Gemeindebezirk Ialysos ist nach der antiken Stadt Ialysos benannt. Flächenmäßig ist Ialysos der kleinste Gemeindebezirk der griechischen Insel und Gemeinde Rhodos. Der Verwaltungssitz, heute Trianda genannt, ist nach der Stadt Rhodos die zweitgrößte Stadt der Insel.
Ialysos liegt an der Küste zur Straße von Rhodos im Nordosten der Insel, westlich des Kap Zonari. Nachbarbezirke sind die Stadt Rhodos im Osten, Kallithea im Südosten und Petaloudes im Südwesten und Westen.
Ialysos - Mythologie
Der Sage nach sollen die drei Städte Lindos, Ialyssos und Kamiros (Kameiros) von drei Brüdern jeweils gleichen Namens gegründet worden sein, bei denen es sich um Nachkommen des ältesten der Heliaden, die wiederum von Helios und seiner Frau der Nymphe Rhode abstammten, gehandelt haben soll.
Rhodos nahm mit neun Schiffen unter Führung des Tlepolemos am Krieg gegen Troja teil, wobei Homer die drei rhodischen Orte erwähnt, Lindos, Ialyssos und Kameiros. Dies wird unter anderem auch im Schiffskatalog des Homer erwähnt. [1]
Geschichte
Zahlreiche minoische Funde belegen, dass Rhodos bereits ab dem frühen 2. Jahrtausend v. Chr. von Kretern besiedelt wurde. Die minoische Siedlung von Ialysos zählte im 16. Jahrhundert v. Chr. zu den größten Städten der Ägäis. Ab ca. 1450 v. Chr. übernahmen mykenische Griechen vom Festland die Macht nicht nur auf Kreta, sondern auch nach und nach in kretischen Besitzungen, so auch auf Rhodos. Die minoische Siedlung bestand nach heutigem Forschungsstand bis weit ins 14. Jahrhundert (Periode Spätminoisch III A2) hinein, bis zu ihrem Ende sind die Funde jedenfalls stark minoisch beeinflusst. [1]
Doch auch danach hatte Ialysos wahrscheinlich eine herausragende Bedeutung. Mario Benzi* ist der Meinung, dass es – neben Milet an der Westküste Kleinasiens – der wichtigste mykenische Außenposten im östlichen Ägäisraum war. Ausgrabungen brachten u. a. die größte und reichste bislang bekannte mykenische Nekropole der ägäischen Welt zu Tage. Diese wurde bereits von den Bewohnern der minoischen Stadt benutzt. Von der zugehörigen mykenischen Siedlung wurden dagegen bisher nur geringe Reste entdeckt. Wahrscheinlich sind große Teile durch Erosion oder spätere Überbauung vernichtet worden. [1]
*Mario Benzing (auch Mario Benzi - * 7. Dezember 1896 in Como; † 29. November 1958 in Mailand;) war ein italienischer Schriftsteller und Übersetzer deutscher Abstammung.
Der erneute Aufstieg der Insel begann ab dem 11. Jahrhundert v. Chr., nachdem die Dorer sich auf Rhodos niederließen. Diese gründeten die drei Städte Ialysos, Kameiros und Lindos, die als eigenständige Poleis Rhodos beherrschten, bis sie sich zusammenschlossen, um 408 v. Chr. an der Nordspitze der Insel die Stadt Rhodos zu gründen. Die Gründung der Stadt Rhodos durch Synökismus (408 v. Chr.) führte zum Niedergang von Ialysos, sodass Ialysos zur Zeit Strabons* keine kleine, unabhängige Stadt mehr war.
Die Bedeutung der drei Städte wurde nicht zuletzt dadurch unterstrichen, dass sie sich in der Hexapolis dem dorischen Sechsstädtebund zusammen mit Kos, Knidos und Halikarnassos, die beiden letzteren auf dem kleinasiatischen Festland gelegen, befanden. [1]
*Strabon (griechisch Στράβων Strábōn, deutsch ‚der Schielende‘, lateinisch Strabo; * etwa 63 v. Chr. in Amaseia in Pontos; † nach 23 n. Chr.) war ein antiker griechischer Geschichtsschreiber und Geograph.
Römer - Byzantinener - Osmanen
Während der römischen Herrschaft wurde Ialysos verlassen. Die Festung von Ialysos wurde zunächst in ein Heiligtum und später in eine byzantinische Burg umgewandelt, bis sie 1306 von den Rittern von Rhodos erobert wurde. Diese errichteten die Burg und die Kirche Santa Maria del Philermo im provenzalisch-gotischen Stil. Der letzte Eroberer der Festung war Suleiman der Prächtige, der dort 1522, wenige Monate vor der Kapitulation der Ritter von Rhodos vor seinen Truppen, sein eigenes Viertel gründete. Wie der Rest der Insel blieb auch Ialysos vier Jahrhunderte lang unter osmanischer Herrschaft, bis es 1912 im Italienisch-Türkischen Krieg von italienischen Truppen besetzt wurde.
Während der italienischen Besatzung fanden auf Ialyssos Ausgrabungen statt, insbesondere in den zwei Jahren 1935/36. Die italienische Besatzung endete faktisch am 8. September 1943, als die Kontrolle über die Insel an deutsche Truppen überging. Schließlich fiel der Dodekanes am 7. März 1948 nach den Pariser Verträgen von 1947 endgültig an Griechenland. [1]
Antike Stadt Ialysos
Auf dem Hügel Filerimos befand sich die Akropolis der antiken Stadt Ialysos. In der Ausgrabungsstätte sind die Fundamente eines Athene-Polias-Tempels, ein dorisches Brunnenhaus, ein kreuzförmiges Taufbecken und Fußbodenmosaik einer frühchristlichen Basilika, teilweise überbaut von einer Klosteranlage sowie Ruinen aus byzantinischer Zeit erkennbar.
In der Höhlenkirche Agios Georgios befinden sich Fresken aus dem 15. Jahrhundert. [1]
Archäologie
In Ialysos ist die mykenische Besiedlung (1400 – 1100 v. Chr.) durch zahlreiche Nekropolen mit Kammergräbern belegt. Die Entwicklung der drei Städte zwischen der geometrischen Zeit und dem Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. lässt sich anhand der Nekropole dokumentieren, die reich an Keramik (geometrische, orientalische und attische Keramik), ionischen Statuetten und Goldschmiedearbeiten ist. Eine Gruppe bemalter Vasen im orientalischen Stil aus dem 7. und 6. Jahrhundert v. Chr., verziert mit Tiermotiven, wird insbesondere lokalen Kunsthandwerkern zugeschrieben.
Die Akropolis von Ialysos wurde auf einer Esplanade des Berges Philermos (Filerimos) entdeckt. Unterhalb des Südhangs der Akropolis befindet sich ein monumentaler rechteckiger Brunnen aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. mit sechs Architravsäulen an der Fassade. Der Brunnen, der zu den Gebäuden gehörte, die einst die Akropolis schmückten, ist das bedeutendste Monument in Ialysos. [1]
Das rechteckige Gebäude schmiegt sich an die Felswand des Berges. Quellwasser floss durch zwei löwenkopfförmige Öffnungen in einen großen, von einer Brüstung umgebenen Teich. Die Brüstung bestand aus Säulen, die durch ebenfalls mit Löwenköpfen verzierte Platten verbunden waren. Die Brunnenfassade, die über eine kurze Rampe erreichbar ist, besteht aus einer kleinen Säulenhalle mit sechs dorischen Säulen. Sie wurde im Mittelalter wiederverwendet und blieb bis zu ihrer Freilegung durch einen Erdrutsch im Jahr 1923 vollständig verschüttet; weitere Elemente der Säulenhalle wurden bei dem Erdrutsch am Berg freigelegt.
Die Nekropole datiert aus der mykenischen, geometrischen und archaischen Zeit, mit Fundstücken aus dem 8. bis 5. Jahrhundert v. Chr. Südwestlich des Berges Philermos wurden ein kleiner dorischer Tempel und ein Theater, von dem Überreste der Cavea erhalten sind, identifiziert; beide Gebäude (5. – 4. Jahrhundert v. Chr.) sind Apollo, einem Gott in der römischen und griechischen Mythologie, geweiht. [1]
Filerimos-Hügel
Filerimos ist ein bekanntes und vielbesuchtes Ausflugziel auf der Insel Rhodos in Griechenland. Es handelt sich um einen kleinen Berg oder auch Hügel, auf dessen Spitze eine frühe Basilka zu sehen ist. Die Johanniter-Ritter errichteten hier im 13. Jahrhundert eine Klosteranlage. Auch Spuren der Byzantiner sind hier auf dem Filerimos-Hügel zu finden. Weiterhin sind hier auch die Ruinen der antiken griechischen Stadt Ialysos zu sehen, nach der der heutige Gemeindebezirk Ialysos der Insel Rhodos benannt wurde. Die Sehenswürdigkeiten befinden sich auf dem Plateau des Hügels in einer Höhe von 267 Meter....
Weitere Informationen zum Hügel Filerimos auf der Insel Rhodos finden Sie hier....!
Quellenangabe:
1.: Die Informationen zur antiken Stadt Ialysos und zum heutigen, gleichnamigen Gemeindebezirk auf der Insel Rhodos stammen aus der Wikipedia, zuletzt abgerufen am 19.05.2026!
Die Fotos aus der Wikimedia Commons "Tempel der Pallas Athene - Autor: Martin Badatel" - "Blick auf die Ausgrabungen des antiken Ialysos; Taufbecken einer frühchristlichen Basilika; Ialysos - Tempel der Pallas Athene, 3. – 2. Jahrhundert v. Chr.; Eyecatcher: Ialysos, Griechenland; (4 Fotos) - Autor: Maxim Ulitin" - "Ruinen einer byzantinischen Basilika auf dem Hügel Filerimos, Rhodos - Autor: Vadim Indeikin" - "Ialysos, Greece - Autor: Mitroshk" sind lizenziert unter der Creative Commons-Lizenz „Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported".
Die Fotos aus der Wikimedia Commons "Mykenische Keramik - Kylix mit floralen Motiven, wohl Ialysos (Rhodos), 1375 –1300 v. Chr. - Ashmolean Museum, Oxford AN 1924.68 - Autor: Zde" - "Kloster Filerimos, 15. Jahrhundert - Autor: Tango7174" sind lizensiert unter der Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0) Lizenz!





